Die Schweiz war das Labor der Welt, wo eine chemische Erkenntnis in einen globalen Sieg der öffentlichen Gesundheit verwandelt werden konnte. Dank drei visionären Ärzten war das Land das erste, das die Jodierung des Kochsalzes einführte – eine Praxis, die es ermöglichte, die Geissel des Alpenkretinismus zu besiegen. Heute ein globales Symbol für Präzision, Innovation, Luxus und Wohlbefinden, war die Schweiz in nicht allzu ferner Vergangenheit auch ein Inbegriff menschlichen Leids. Im 19. Jahrhundert, als der Tourismus in den idyllischen Alpentälern aufzublühen begann, beschrieb der Geograf Elisée Reclus die dort lebende Bevölkerung in den Jahren 1875/76 folgendermassen: «Neben diesen tapferen Bergbewohnern mit ihrer breiten Brust und dem durchdringenden Blick, die mit festem Schritt die Felsen erklimmen, schleppten sich grauenhafte Massen lebenden Fleisches dahin, die Kretins mit ihrem hängenden Kropf.» Dieses Zitat, das der französische Historiker Antoine de Baecque in seinem Buch …